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Lexikon - Die Theorie des Sohlenrandstrahlebenenverfahrens

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wurde von Friedrich entwickelt, der bis zum heutigen Tage so ziemlich der einzige Verfechter dieser Theorie geblieben ist. Aus Erkenntnis der Mängel, die allen bisherigen Beschlagsystemen abhaften, die Friedrich summarisch als "Naturbesserungsirrlehren" bezeichnet, hat er nach neuen Methoden der Hufzubereitung gesucht, die nach seiner Meinung allein richtigen sind. Friedrich nimmt auf Fussung oder Zehenachse keine Rücksicht, weil er in der "natürlichen Form und Größe" des Hufes die einzigen Richtpunkte für die Zubereitung sieht. Er behauptet, dass die Form des Hufes lediglich auf die angeborene Art der Hufbelastung eingestellt sei. Dem gegenüber muss festgestellt werden, dass die Hufform in den meisten Fällen keine gleichbleibende "Geburtsmitgabe" ist, sondern im Laufe des Lebens vielfachen Änderungskräften unterworfen sein kann. So besteht eine starke Wechselwirkung zwischen Hufform und Gliedmaßenstellung , d. h. jede Stellung verlangt und schafft ihre entsprechende Hufform, und umgekehrt beeinflusst diese durch den jeweils wirkenden Belastungsmechanismus wiederum die Stellung. Stets eine angeborene Art der Hufbelastung anzunehmen, ist unrichtig, denn diese wird sowohl durch die Stellung als auch durch die Hufform bedingt, und beide sind vielfach erworben. Ein Beispiel möge dies veranschaulichen: Ein Absatzfohlen hat eine regelmäßige Stellung und Hufform. Es kommt auf eine hartgrundige Weide und reibt sich beim Grasen durch das Auseinanderstellen der Vordergliedmaßen die inneren Hufwände ab. Die Folge ist ein schiefer Huf, der somit nicht mehr die angeborene Belastungsart empfängt. Diese veränderte Belastung des Hufes führt nun ihrerseits auch zu einer Änderung der Stellung, die bodenweit oder meistens zehenweit wird. Wenn unter einem solchen Lasteneinfall das Knochenwachstum abgeschlossen wird, hat das Pferd eine boden- bzw. zehenweite Stellung mit dem dazugehörigen bodenweiten Huf. Ein solcher Huf ist keineswegs mehr auf die ursprüngliche angeborene Art der regelmäßigen Belastungsstellung, sondern völlig auf die wesentliche Mehrbelastung der inneren Hufabschnitte eingestellt.

Wie sehr die Hufform nicht nur beeinflusst, sondern geradezu "gezüchtet" und "typisiert" werden kann, zeigen uns die Pferde fast jeder Gemeinde mit mehreren Schmieden, denn man vermag meistens schon aus der typischen Hufform auf den jeweiligen Beschlagschmied zu schließen. Bei der Vielfalt dieser Veränderungsmöglichkeiten kann uns die Form des Hufes kein zuverlässiger Richtpunkt für die Hufzubereitung sein.

Aber auch die Größe des Hufes ist kein genereller Maßstab. Ob der Huf etwas größer oder kleiner ist, d. h. ob ein Huf insgesamt etwas weniger oder mehr gekürzt wird. Ist bei weitem nicht so wichtig wie das Herstellen des richtigen Längenverhältnisses der Zehenwand zu den Seiten- und Trachtenwänden: denn hierin liegt vor allem die Gefahr einer ungünstigen Belastungsstellung. Man wünscht z. B. in Tierzuchtkreisen bei Hengsten "viel Huf", was zur Folge hat, dass die Hengsthufe teilweise erheblich über das Maß der "natürlichen Größe hinausgehen. Wie ich mich selbst überzeugen konnte, wird diese "unnatürliche" Hufgröße ohne Komplikation oder Bewegungsbeeinträchtigung vertragen, wenn nur die Zehen-, Seiten-, und Trachtenwände im richtigen Kürzungsverhältnis zueinander stehen und die durch die Überlänge des Hufes nach vorn verlagerte Auftrittsfläche durch genügend lange Schenkelenden des Hufeisens in der Stützung ausgeglichen wird.

Nach Friedrich ist die Sohlenrandstrahlebene das Richtmaß, nach der der Tragrand "einfach" so herzustellen ist, dass sich die Tragrandebene mit der Sohlenrandstrahlebene deckt. Aber in der Praxis verwandelt sich diese angebliche Einfachheit häufig zu einer fast unlösbaren Schwierigkeit, wenn z. B. der Hornstrahl, was vielfach vorkommt, verkümmert oder verschwunden ist. Nach Friedrich soll in diesen Fällen die regelrechte Größe des Hornstrahls durch Schätzung ermittelt werden! Schätzungen sind aber bekanntlich dem Gesetz der Subjektivität unterworfen und schon deswegen für eine Hufbeschlagsregel unbrauchbar. Der Hufschmied will und muss sichere Anhaltspunkte haben!

Bei der praktischen Erprobung der Friedrich´schen Methode ließ ich einmal zwei gleich große, vorher genau gemessene Vorderhufe mit Strahlschwund nach dem Schätzverfahren von je einem als tüchtigen bekannten Schmied zubereiten. Endergebnis: Die beiden Hufe differierten um 1 ½ cm in ihrer Größe!

Auch das Herstellen des "natürlichen" Sohlenrandes, der dann gegeben ist, wenn er vom überschüssigen Althorn befreit ist, stößt in praxi auf Schwierigkeiten, die wieder in den Bereich der subjektiven Schätzung gehen, weil bei vielen Hufen mit mürbem Horn sehr schwer die Grenzen zwischen gesundem und altem Horn feststellbar ist.

Aus diesen Gründen vermochte sich auch das Sohlenrandstrahlebenenverfahren in Fachkreisen nicht durchzusetzen. In der Praxis dagegen wird es von vielen Schmieden mehr oder weniger angewandt, ohne dass sie jemals etwas von dieser Theorie gehört haben und zwar von jenen Schmieden, die weder auf Fussung noch auf Zehenachse schauen, sondern den Huf lediglich "nach Gefühl" zubereiten. Was dabei allerdings rauskommt, wirkt nicht überzeugend!

Es muss aber betont werden, dass Friedrich in seiner kämpferischen Art auf eine Reihe Irrtümer im Hufbeschlag hingewiesen hat, wofür ihm Huffachleute und Schmiede Dank wissen.



 

 
 


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