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Lexikon

Lexikon - Die Theorie des Trachtenlängenverhältnis

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Die von Scholz, Kuni und Zschocke an der früheren Heeres-Lehrschmiede Hannover entwickelt wurde, hat ihre Methodik auf der immer wieder einmal im Schrifttum ausgesprochenen Hypothese aufgebaut, das die Verbindungsebene der beiden Trachtentragränder auf die Medianebene des Hufes, markiert durch die Ballenlinie, senkrecht stehen müsse. Diese Vorraussetzung, die den Grundpfeiler dieser Theorie darstellt, ist jedoch ein wissenschaftlicher Irrtum, worauf ebenfalls schon verschiedenerseits hingewiesen wurde.

Diese Forderung bedeutet nämlich nicht anderes als dass, unabhängig von der jeweiligen Gliedmaßenstellung bzw. vom Fesselstand (Zehenachse) in jedem Fall die Tragrandebene in einem Winkel von 90 Grad zur Ballenlinie zu bringen ist. Damit wird stets ein senkrechter Lasteneinfall für jeden Huf verlangt, wie er tatsächlich nur im Optimalfall des regelmäßigen Hufes der regelmäßigen Stellung gegeben ist. Die überwiegende Mehrzahl der Hufe stellen jedoch die Schiefhufe dar, die dann als passend anzusehen sind, wenn die Mittelebene des Hufes (Hufachse) mit der Mittelebene der anderen Zehenknochen (Fesselachse) in gleicher Richtung (also mehr oder weniger schief) verläuft und nicht in senkrechter Richtung, was nur bei den so selten vorkommenden regelmäßigen Stellungen der Fall ist. Ein solcher Stellungsschiefhuf muss, wenn er zum Fesselstand passen soll, zwei verschieden lange Trachten haben. Der Einwand, dass bei verschieden lange Trachten keine Parallellage des Hufbeinsohlenrandes zum Tragrand mehr möglich sei, ist nicht stichhaltig. Das Geheimnis, warum auch bei einem Stellungsschiefhuf trotz der ungleich langen Trachten die Parallellage gegeben ist, liegt darin, dass mit der Umformung in einen Schiefhuf auch eine Deformierung in ein bodenenges bzw. bodenweites Hufbein einhergeht! Wird nun ein solcher Schiefhuf plötzlich auf gleich lange Trachten gestellt, dann kann allerdings der Hufbeinsohlenrand nicht mehr parallel zum Erdboden liegen!

Die Methode zur Herstellung gleich langer Trachten ist zwar von ihren Schöpfern sehr sauber und mathematisch-technisch ausgefeilt worden, so dass man bedauern muss, dass das ganze Verfahren auf einer wissenschaftlichen nicht haltbaren Theorie aufgebaut wurde. Es wäre besser gewesen, wenn die ganze Mühe darauf verwendet worden wäre, eine einfache Methode zu ergründen, wie man nicht eine gleich langes, sondern der jeweiligen Stellung entsprechendes Trachtenverhältnis herbeiführen kann, denn nur ein solches bedingt das entsprechenden Optimum an Belastung.

Um den hauptsächlich visuell erfassenden Schmieden eine Vorstellung von den auf die Knochensäule des Pferdefußes einwirkende Statikkräften zu vermitteln, führe ich ihnen stets folgenden Versuch vor: Aus den Steinen eines Kinderbaukastens werden nebeneinander zwei zusammengesetzte Säulen errichtet, welche die beiden Vorderfüße versinnbildlichen sollen, und zwar so, dass jeder entsprechend große Stein einen Knochen des Fußes darstellen soll. Drückt man von oben auf einen die beiden senkrecht stehenden Säulen, womit die Körperlast nachgeahmt wird, bleiben sie stehen. Nun schiebt man von außen unter jedes der beiden "Hufbeinklötzchen" einen flachen Keil, der die verlängerten Außentrachten darstellen soll, damit erhalten wir zwei sich aufeinander zuneigende schiefe Säulen, die eine bodenweite Gliedmaßenstellung markieren. Auch diesen kann der Druck der Körperlast zugemutet werden. Ziehen wir aber in dieser Schiefstellung die "Trachtenkeile" wieder weg, d. h. schaffen also gleich lange Trachten, dann stürzen die Säulen bei dem schief von oben nach unten einfallenden Druck, wie er tatsächlich bei einer bodenweiten Stellung gegeben ist, zusammen! Da im Zerrspiegel des Extrems jede Sache am auffälligsten wird, macht diese Demonstration selbst dem einfachsten Schmiedegehirn klar, dass die Herstellung gleich langer Trachten bei allen Stellungen eine unhaltbare Forderung ist.

Übrigens stellt jeder denkende Schmied, dem die Theorie vom Trachtenlängenverhältnis ganz objektiv im Sinne der Schöpfer vorgetragen wird, sofort folgende Frage: "Wonach soll ich mich aber richten, wenn die Ballenlinie durch die häufig vorkommenden Ballenverlagerungen infolge Hochgestauchtseins einer Trachtenwand, einseitigen Hufzwangs usw. verlagert ist?" Damit wird auf eine weitere wunde Stelle im Gefüge dieser als unfehlbar verkündeten Theorie hingewiesen. Es kann nicht überzeugen, wenn dazu Zschocke schreibt, das bei Verbildungen der Ballen für die Mitte der Ballengrube die Mitte des Fessels in der Ballengegend (?) zu treten haben. Aus all diesem wird ersichtlich, dass die Theorie vom Trachtenlängenverhältnis nicht als wirtschaftliche Richtlinie für die Hufzubereitung verwendet werden kann.

 





 
 
 


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